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Interview: War der Saisonabbruch alternativlos?

19. 04. 2021

Voller Optimismus und mit nötiger Vorsicht war man im August 2020 in eine neue Saison gestartet. Diese musste allerdings bereits nach wenigen Spieltagen wieder pausieren. Aus der vorzeitigen wurde dann eine verlängerte Winterpause. Noch war die Hoffnung groß: Die Vereine wollten ein sportliches Ende der Saison – die Hinrunde beenden, das war das eindeutige Ergebnis einer Umfrage, in der die Teilnehmenden auch für eine drei- bis vierwöchige Vorbereitungszeit plädierten. Am 29. März jedoch war es dann amtlich: Der Vorstand des FLB beschließt den Abbruch der Saison 2020/21.
Die Redaktion der Verbandszeitschrift bat Wilfried Riemer, Vorsitzender des FLB-Spielausschusses und Mitglied des Krisenstabs, um Antworten.


BFN: Ein weiteres Spieljahr ist vorbei, an das sich wenige Fußballer voller Freude erinnern werden. Die Saison wurde am 29. März abgebrochen. Befürworter sagen „Endlich eine Entscheidung!“, Kritiker schütteln den Kopf. Erklären Sie uns doch bitte den gewählten Zeitpunkt. 
W. Riemer: Am 19. März hat das Land Brandenburg eine Änderung der bestehenden Eindämmungsverordnung beschlossen. Die geänderte Verordnung trat am 22. März mit einer Gültigkeit bis zum 11. April 2021 in Kraft. Für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs hatten sich unsere Vereine vier Wochen Vorbereitungszeit erbeten. Bei der verbleibenden Anzahl an Spielen wäre es nicht möglich gewesen, diese zu absolvieren. Mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs spätestens am 24. April hätte die Hinrunde realistisch beendet werden können – diese Chance wollten wir wahren.

 

Wie schwer ist Ihnen, den Mitgliedern des Spielausschusses und des Vorstandes diese Entscheidung gefallen? 
W. R.:
Jede andere Entscheidung wäre uns angenehmer gewesen. Wir hätten alle liebend gern weitergespielt und die Halbserie zu Ende gebracht, nur leider war dies nicht möglich …

 

Der Verband hat sich eindeutig positioniert und die Auf- und Abstiegsregelung außer Kraft gesetzt. Bitter für die Tabellenführer...

W. R.: Wir verstehen die Meinungen, es ist wirklich sehr bitter für die Tabellenführer der Staffeln. Aber der Vorstandsbeschlusses war eindeutig und ist auch in Anbetracht der wenigen absolvierten Spiele getroffen worden.

 

... jedoch hat man sich mit dem gleichen Vorstandsbeschluss die Tür für das eventuelle Aufstiegsrecht für NOFV-Spielklassen offen gehalten: Der FLB benennt eine aufstiegsberechtigte Mannschaft. Das heißt konkret ...? 
W. R.:
Die „quotenbeste Mannschaft“ des FLB, MSV 1919 Neuruppin, steigt in die Oberliga des NOFV auf, vorausgesetzt, das Präsidium des Regionalverbandes fasst am 16. April (nach Red.schluss) den entsprechenden Beschluss. Für uns war wichtig, dass – im Fall der Fälle – der Aufstiegsplatz durch einen unserer Brandenburger Vereine wahrgenommen wird, um gegenüber den anderen fünf NOFV-Landesverbänden nicht benachteiligt zu sein. Übrigens gilt dieser Beschluss auch für die Frauen und Mädchen sowie die Jugend.

 

Bereits im Dezember 2020 wurden die im Landesspielbetrieb befindlichen Vereine in die Erarbeitung von Modellen mit einbezogen. Sie haben damals die hohe Teilnahmebereitschaft der Vereine gelobt. Kann dies ein zukünftiges Instrument der Entscheidungsfindung sein? 
W. R.:
Unbedingt, schließlich sind wir Dienstleister für unsere Vereine. Wir werden die Meinung der Vereine auch in Zukunft einholen, sind uns dabei auch bewusst, dass es unterschiedliche Ansichten und Standpunkte gibt. Wichtig ist uns eine breite Mehrheit, die in die Entscheidungsfindung einfließen kann. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass am Ende der Spielausschuss und der Vorstand des Verbandes die Entscheidungen treffen.

 

Immer wieder hieß es in den Pressemitteilungen, der Verband sei im Austausch mit der Politik, dem zuständigen Ministerium. Wie müssen wir uns diesen Austausch vorstellen? 
W. R.:
Dies war ein aktiver wöchentlicher Austausch auf vielen Ebenen: Ob per Telefon oder E-Mail – der FLB stand unablässig in Abstimmung mit Brandenburgs Ministerium für Bildung, Jugend und Sport sowie den Dachverbänden – dem Landessportbund und dem Deutschen Fußball Bund, auch um konkrete Informationen zu den jeweils aktuellen Verordnungen zu erhalten.

 

Die Hoffnung auf Lockerungen war groß, hielt aber nicht lange an: Viele Vereine haben ihre Hygienekonzepte noch verbessert, da war der Trainingsauftakt in mehreren Landkreisen bereits wieder Geschichte ... 
W. R.:
Hier möchte ich ein großes Lob an die Mehrheit unserer Vereine aussprechen, die sich bei der Erarbeitung und Umsetzung der Hygienekonzepte viel Mühe gegeben haben. Leider hat die Regierung mit der darauffolgenden Verordnung alle Hoffnungen zunichte gemacht: Der Trainingsbetrieb musste wieder eingestellt werden, von einem Spielbetrieb waren wir wieder weit entfernt.

 

Nach der Saison ist vor der Saison: Wird der im Februar veröffentlichte Rahmenterminplan Bestand haben oder werden mehrere Szenarien vorbereitet? 
W. R.:
Zum heutigen Tag müssen wir davon ausgehen, dass er Bestand hat. Nichtsdestotrotz befasst sich der Spielausschuss fortlaufend mit den Entwicklungen und Auswirkungen der Pandemie auf den Spielbetrieb.

 

Herr Riemer, Hand auf‘s Herz: Haben Sie sich Ihr Ehrenamt, das Sie ja als Ruheständler bekleiden, so intensiv vorgestellt? 
W. R.:
Nicht im Entferntesten. Ich bin davon ausgegangen, gemeinsam mit dem Spielausschuss einen geregelten Spielbetrieb durchführen zu können. Jedoch: Nach einem dreiviertel Jahr ist alles anders gekommen und sehr nervenaufreibend. Vereinzelt gibt es sogar persönliche Beleidigungen in Form von Mails und Telefonaten ... 

 

Für das Gespräch dankt Silke Wentingmann-Kovarik
 

 

Bild zur Meldung: Wilfried Riemer, Vorsitzender des FLB-Spielausschusses.

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