Jens Kaden kandidiert erneut als FLB-Präsident: "Veränderung beginnt nicht am Wahltag, sondern jeden Tag."

06.​08.​2026

Am 10. Oktober findet der Verbandstag des Fußball-Landesverbandes Brandenburg statt. Im Rahmen der Versammlung wählen die Delegierten unter anderem das Präsidium für die kommende Amtszeit. 

 

Amtsinhaber Jens Kaden stellt sich dabei erneut zur Wahl.
 

Im Vorfeld des Verbandstages spricht der FLB-Präsident im Interview über seine Motivation für eine weitere Kandidatur, die Entwicklung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg in den vergangenen Jahren sowie die Herausforderungen für den Amateurfußball in Brandenburg.

 

„Veränderung beginnt nicht am Wahltag, sondern jeden Tag. Sie entsteht durch kontinuierliche Arbeit, durch gutes Miteinander und geeinte Ziele, nicht jedoch durch Überschriften.“


Im Gespräch blickt Kaden unter anderem auf den Ausbau der Qualifizierungsangebote, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung der Gewaltprävention sowie die Unterstützung der Vereine zurück. Gleichzeitig betont er, dass die künftigen Herausforderungen – etwa die Gewinnung von Ehrenamtlichen, Trainerinnen und Trainern sowie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern – weiterhin gemeinsames Handeln erfordern.


Nachfolgend das vollständige Interview.

 

Herr Kaden, Sie kandidieren beim Verbandstag im Oktober erneut für das Amt des Präsidenten. Warum?


"Weil ich stolz darauf bin, was wir in den vergangenen acht Jahren gemeinsam mit vielen engagierten Menschen im Haupt- und Ehrenamt im Fußball-Landesverband Brandenburg spür- und sichtbar geschafft und weiterentwickelt haben. Nicht nur mit dem geschlossenen Rückhalt unserer acht Fußballkreise trete ich an, um diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen. Nicht aus Gewohnheit, sondern aus Verantwortung, mit Ehre, sehender Aufgabe und fester Überzeugung."


In den vergangenen Tagen wurde viel über Veränderung im Fußball-Landesverband Brandenburg gesprochen. Hat der Verband Veränderung nötig?


"Wer behauptet, unser Verband habe sich in den vergangenen Jahren nicht verändert, wird den vielen engagierten Menschen im Haupt- und Ehrenamt nicht gerecht. Sie leben und arbeiten für unserem Fußball. Aus deren täglicher Arbeit sowie unseren Visionen haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Veränderungen angestoßen. Hier möchte ich in aller Kürze darauf zeigen, dass wir unsere Qualifizierungsangebote deutlich ausgebaut, die Digitalisierung vorangetrieben, unsere Kommunikation modernisiert, den Bereich Gewaltprävention neu aufgestellt, neue Projekte für Vereine entwickelt und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern intensiviert haben. Veränderung beginnt nicht am Wahltag, sondern jeden Tag. Sie entsteht durch kontinuierliche Arbeit, durch gutes Miteinander und geeinte Ziele, nicht jedoch durch Überschriften."

 

Worauf sind Sie in den vergangenen acht Jahren besonders stolz?


"Darauf, dass wir die vielen Themen nicht nur andiskutiert, sondern auch gelöst und umgesetzt haben. Gedrosselt möchte ich hier nur die großen Herausforderungen der letzten Zeit nennen. Genannt sei hier unsere, auch deutschlandweit erste, Entscheidung in der Corona-Epidemie, wo wir durch die Einbindung all unserer Vereine, einen gänzlich neuen Weg in der Entscheidungsfindung gegangen sind. Einen Teilerfolg haben wir im Schulterschluss mit der Politik auch beim Kampf um die Streichungen von DFB-Stützpunkten erzielen können und aktuell möchte ich auch nur die Problematik des Schiedsrichtersolls erwähnen. Hier sind wir ebenfalls neue Wege auf der Suche zur Lösung gegangen, haben erste Ergebnisse bereits umgesetzt und werden auf dem Verbandstag über die weiteren Vorschläge abstimmen. Eine Selbstaufgabe kommt hinzu: Wir haben uns einem Organisations- und Entwicklungsprozess unterworfen, wo die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe „Struktur“ auch Thema auf dem Verbandstag sein werden. Unsere Qualifizierungsangebote genießen bundesweit einen sehr guten Ruf. Wir haben neue Lehrgangsformate entwickelt und den Zugang zu Aus- und Fortbildungen erleichtert. Gute Trainerinnen und Trainer, engagierte Vereinsverantwortliche und hervorragend ausgebildete Unparteiische entstehen nicht zufällig. Dahinter steckt jahrelange Arbeit vieler Ehrenamtlicher sowie in unserem Hauptamt. In der gebotenen Kürze sei hier nur genannt, dass wir auch im Bereich der Gewaltprävention neue Strukturen geschaffen haben, die inzwischen weit über Brandenburg hinaus Beachtung finden."

 

Manche nehmen den Fußball-Landesverband noch immer als klassischen Verwaltungsapparat wahr. Ist das ein gerechtes Bild?


"Nein. Natürlich haben wir unsere satzungsgemäßen Aufgaben. Aber der FLB ist viel mehr als eine Geschäftsstelle oder eine Verwaltungsinstitution. Ich sehe es auch nicht als stagnierend an, das Bewährte zu erhalten. Wenn neue Ideen und Visionen hinzukommen, werden wir diese entwickeln, diskutieren und darüber demokratisch abzustimmen. Wir begleiten und unterstützen Vereine, qualifizieren Trainerinnen und Trainer, fördern Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, unterstützen Ehrenamtliche, organisieren den Spielbetrieb, entwickeln Projekte für Schulen und Kitas, treiben Digitalisierung voran und vertreten die Interessen unseres brandenburgischen Amateurfußballs außerhalb unseres Verbandsgebietes und der Politik. Unserem Anspruch bleiben wir treu. Wir wollen nicht Verwalter, sondern Unterstützer für das Ehrenamt und vor allem ein starker Partner auf Augenhöhe für unsere Vereine sein."

 

Zuletzt wurde intensiv über den Frauen- und Mädchenfußball diskutiert. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Sie?


"Dies ist derzeit das große Thema und hat somit auch eine entsprechende Bedeutung für mich. Gerade im weiblichen Bereich haben wir in den vergangenen Jahren bewusst auch besondere Schwerpunkte gesetzt. Gemeinsam mit dem DFB haben wir Projekte wie „FFiF – Für mehr Frauen im Fußball“ vorangebracht und neu aufgelegt, neue Women-Only-Qualifizierungen geschaffen und die Förderung von Mädchen und Frauen kontinuierlich ausgebaut. Die steigenden Spielerinnenzahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wer sich die Entwicklung anschaut, erkennt, dass der Frauen- und Mädchenfußball in unserem Verband ein spezielles Thema ist. Deshalb haben wir uns auch Gedanken gemacht, wie wir Stabilität und einen Schub geben können. Eine Sichtbarkeit bemisst sich nicht auch allein daran, ob die Verantwortung allein oder in einem funktionierenden Ganzen liegt. Der Frauen- und Mädchenfußball wird nicht ausgegliedert, sondern integriert – es ändern sich Strukturen, nicht Ziele. Wir nehmen dem Frauen- und Mädchenfußball keine Stimme weg – wir verankern seine Themen dort, wo die zentralen Entscheidungen für die Zukunft unseres Fußballs getroffen werden."

 

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?


"Wir müssen den Amateurfußball weiter fit für die Zukunft machen. Viele Vereine suchen Trainerinnen und Trainer, Schiris oder Menschen für Vorstands- und Vereinsaufgaben. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an das ehrenamtliche Engagement. Deshalb müssen wir unsere Vereine weiterhin unterstützen, moderne Angebote entwickeln, sich auszutauschen, zugewandt zu sein sowie Menschen für diese gesellschaftliche Verantwortung, auch im Interesse des Miteinander und für unseren geliebten Sport, zu begeistern. Dabei wird es nicht die eine große Lösung geben. Entscheidend ist, dass wir konsequent daran weiterarbeiten, was die vielen kleinen Ziele sind und wir uns vorgenommen haben. Wichtig dabei ist, dass wir aus den guten Erfahrungen der Vergangenheit gemeinsam und gut durchmischt nach Lösungen suchen und wir vereint hinter dem Ergebnis stehen."

 

Welche Botschaft möchten Sie den Delegierten mit auf den Weg geben?


"Ich wünsche mir, dass wir bei allen Diskussionen nie vergessen, worum es eigentlich geht: um den Fußball in Brandenburg. Wir sollten nicht zuerst darüber sprechen, was uns trennt, sondern darüber, was uns verbindet. Tausende Ehrenamtliche investieren Woche für Woche ihre Freizeit, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene Fußball spielen können. Diesen Menschen sind wir verpflichtet. Ich weiß, dass wir in den vergangenen Jahren einiges geschaffen haben, und ich bin überzeugt davon, dass wir unsere geplanten Ziele auch weiterhin erreichen werden. Auch in den nächsten vier Jahren werden wir diesen Weg mit Mut, Augenmaß und Verlässlichkeit konsequent und geeint weitergehen und dies mit einem klaren Ziel: Den Fußball in Brandenburg mit seinem vielseitigen Spielbetrieb, ähnlich der Geschlossenheit der letzten Entscheidungen, auch weiter zu stärken."
 

 

Das Interview gibt Einblicke in die Sichtweise des amtierenden Präsidenten auf die Entwicklung des Verbandes sowie seine Vorstellungen für die kommenden Jahre. Die Entscheidung über die zukünftige Besetzung des Präsidentenamtes treffen die Delegierten im Rahmen des Verbandstages am 10. Oktober 2026.

 

 

 

 

 

 

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